Wie ich mit einem feuchten Stapel Handtücher das Wochenendgeschäft rettete
Vor zwei Jahren stand ich in der Empfangshalle eines kleinen Thermalbads in Bayern. Der Besitzer, ein Freund aus Studientagen, hatte mich um Hilfe gebeten. Sein Geschäft lief schlecht. Montags bis freitags kamen kaum drei Dutzend Gäste. Die Fixkosten fraßen jeden Cent Gewinn. Als ich ihn fragte, welche Punkte seine Gäste in Online-Bewertungen am häufigsten kritisierten, zog er die Schultern hoch und sagte: “Na ja, das Übliche.” Das war das Problem – er wusste es gar nicht genau. In den nächsten Tagen las ich mich durch 142 Bewertungen auf Google und Booking.com. Das Ergebnis war eindeutig: Der größte Kritikpunkt war nicht das Wasser oder die Temperatur. Es war ein Haufen nasser Handtücher neben dem Beckenrand. Klingt banal, aber eine einzige Drittelstunde mit einem Wäschewagen hätte gereicht, um die Note von 3,8 auf 4,2 zu heben. Das Beispiel zeigt: Die großen Probleme sind oft die kleinen Ursachen.
Ich arbeite seit fünfzehn Jahren als Berater für Freizeitbetriebe in Deutschland und Österreich. In dieser Zeit habe ich rund sechzig Bäder, Saunen und Aquaparks begleitet – von der puren kommunalen Badeanstalt bis zur luxuriösen Erlebniswelt wie der Badewelt Waikiki. Das System wiederholt sich immer wieder: Die Betreiber investieren in Großprojekte – neue Rutschen, größere Whirlpools, teure Lichtshow-Systeme – und übersehen dabei die fünf Cent teuren Säcke mit vergessenen Tennisbällen im Kinderbecken oder die verstopften Duschköpfe in der Damenumkleide. Ein rutschiger Fliesenstreifen vor dem Sprungbecken verursacht mehr verärgerte Abgänge als eine Zwei-Grad-Abweichung der Wassertemperatur im Hauptbecken.
Die Ticketing-Falle und ihre unsichtbaren Kosten
Die meisten Betreiber glauben noch immer an den simplen Hebel: Preise senken = mehr Gäste. Meine Statistik aus zehn Jahren Gegenüberstellung zeigt eine andere Wahrheit rein rechnerisch: Wer seinen Eintrittspreis um zwanzig Prozent senkt, muss etwa fünfundzwanzig Prozent mehr Besucher durchschleusen, nur um den gleichen Umsatz zu halten. Gleichzeitig steigt die Verschmutzung pro Kopf drastisch – jeder Euro Rabatt wird zumindest teilweise durch höhere Reinigungskosten aufgefressen.
Ich erinnere mich an einen Fall in Nordrhein-Westfalen: Ein Hallenbad bot zwei Jahre lang einen Family-Tag mit fünfzig Prozent Rabatt an dienstags an. Umsatz technisch stieg das Plus auf dem Papier – saisonbereinigt um drei Prozent pro Jahr. Aber nach einer Kosten-vor-Umsatz-Aufstellung zahlte das Haus tatsächlich drauf: Mehr Putzpersonal wegen hoher Frequenz kosten extra 12.000 Euro pro Jahr an Samstagen plus Dienstags-Schichten für die Küche (die zehn Prozent mehr Snacks verkaufte bei fünfzehn Prozent mehr Abfall). Nach meiner Rechnung hätte eine Null-Rabatt-Linie mit einem einfachen Systemwechsel mehr gebracht: Werktägliche Festpreise mit Treuebonuskarten statt täglichen Aktionsangeboten.
Drehtür-Effekte beim Personal lassen Geld unbearbeitet liegen
Noch ein Thema kommt immer wieder hoch – und zwar lauter als jede Kapazitätsdebatte: Fluktuation unter den Badeaufsichten und Kassierern. Ein mittleres Freizeitbad mit zwanzig Angestellten verliert im Schnitt jedes dritte jährlich an andere Branchen oder Betriebe mit besseren Arbeitszeiten. Diese eine Stellenbesetzung kostet nach meiner aktuellen Rechnung zwischen 8.000 und 14.000 Euro – Inserate, Vorstellungsgespräche des Vorgesetzten (oft abends in dessen Freizeit), administrative Bearbeitung plus Einarbeitungszeit des neuen Mitarbeiters bei gleichzeitigem Produktivitätsverlust des eingearbeiteten erfahrenen Kollegen.
Ein Kunde aus Baden-Württemberg stellte mir letztes Jahr folgende Situation vor: Dreizehn seiner neunzehn Angestellten hatten weniger als ein komplettes Jahr Berufserfahrung im selben Haus angesammelt bei ihm von siebzehn möglichen Stellen insgesamt gerechnet minus Führungsposten, die länger blieben. Statt bessere Konditionen anzubieten setzte er auf Teamausflüge dreimal jährlich und kleine Präsente zu Geburtstagen – das half nichts gegen den näher gelegenen Discounter mit ähnlicher Bezahlung und geschlossenen Fenstern nachts arbeitend abgeschottet gegenüber offenen Bädern am Freitagabends-Schlussbetrieb bei Publikum im Sommer oft ungeregelter Lärmpegel…
Aber wer sich solche Schwachstellen genau anschaut – statt sie wie jeder andere zu ignorieren- schafft Potential für nachhaltiges Wachstum auch dort wo man es lange übersah ohne gro de Investitionen allein durch situative Verbesserungen qualitative… Die Zeit für Pseudo-PR-Rundumschläge am Budgetsparpotentialwert von Brauerei-Business ist dennoch längst vorbei

